Weniger Sex – mehr Aliens!

Eintauchen in fremde Galaxien ("Ancient Duality" © Tobias Roetsch)

Perry Rhodan begeistert mit seinem ungewöhnlichen Erfolgskonzept seit über 50 Jahren. Science und Fiction gab es im Mai auf der GarchingCon bei München, wo die Fans ins „Perryversum“ abheben konnten.

Visionen seien wichtig für die Wissenschaft, erklärt Ex-Astronaut Prof. Dr. Ulrich Walter in seinem Vortrag zum Thema „Zukunft der Menschheit im All“. 500 Perry Rhodan-Fans lauschen gespannt. Auch in diesem Jahr sind sie wieder nach Garching bei München gepilgert, wo die GarchingCon stattfindet.

Perry Rhodan war der realen Raumfahrt schon immer näher als anderen Science-Fiction-Welten wie bei „Star Trek“ oder „Star Wars“. Den Handlungsrahmen bestimmte lange Exposé-Autor Uwe Anton. Auf der Convention reichte er symbolisch seine Fackel an den Nachwuchs weiter. Doch die neuen Autoren wollen auch provozieren: Einige Hauptcharaktere werden gleich beurlaubt und bis auf weiteres „auf den Mond geschossen“.

Fast alle Autoren haben selbst als Leser angefangen und kauften am Kiosk die ersten 60-Seiten-Heftchen. Heute erreichen sie Auflagen von 80.000 Stück und nennen sich stolz die größte Science-Fiction-Serie der Welt. 11 Autoren schreiben heute die Geschichte; aus dem ursprünglichen Team ist keiner mehr dabei. Dafür werden immer wieder Gast-Autoren eingeladen, wie Markus Heitz oder Richard Dübell. Band 2700 verfasste Erfolgsautor Andreas Eschbach, der sich inzwischen selbst als eine Art „Stamm-Gast-Autor“ sieht. Für Hintergründe und Gebrauchsgegenstände aus dem „Perryversum“ greifen alle Autoren auf „Perrypedia“ zurück, ein Mittel, das ihnen den Überblick erleichtern soll.

Ein Kind seiner Zeit

Entdecker ferner Welten  ("Wayfarer" © Tobias Roetsch)

Entdecker ferner Welten
(“Wayfarer” © Tobias Roetsch)

Die Autoren sehen Perry Rhodan als deutschsprachiges Kulturgut, das auch die Schweiz und Österreich längst erobert hat. „Perry Rhodan ist schon sehr deutsch, aber nicht auf einen Staat bezogen, sondern im Sinne eines deutschen Sprachraums“, meint Autor Leo Lukas. „Es gibt einen amerikanischen, einen britischen und eben auch einen deutschsprachigen Erzählstil.“ Seit den 60ern wird die Reihe auch übersetzt: Perry Rhodan erscheint unter anderem in Brasilien, Japan, Tschechien, Frankreich und den Niederlanden.

Die Geschichte spiegelt den deutschen Zeitgeist der der letzten 50 Jahre wider, historische Ereignisse können dabei bewusst oder unbewusst mit einfließen. Die 60er Jahre standen für ein polarisiertes Feindbild, mehr als einmal wurde Perry Rhodan auch Rassismus vorgeworfen. Heute versuchen die Autoren, ihren Figuren eine diffizilere Weltsicht zu übermitteln. Zusätzlich gibt es andere Erwartungen der Leser.

Zukunftsvisionen

Im Jahr 2011 wagten die Herausgeber ein Experiment: Unter dem Namen Perry Rhodan Neo sollte der Astronaut seine erste Reise zum Mond von 1961 noch einmal antreten, allerdings vor dem Hintergrund heutiger Technik und Geschehnisse. Anfänglich gab es Kritik von den alten Fans, dennoch umfasst die neue Serie bereits 43 Bände. Auch zwei Autorinnen schreiben für die Neo-Reihe. Verena Themsen, promovierte Physikerin, kommt aus dem Spezialmaschinenbau. Sie findet die intensive Auseinandersetzung mit den Charakteren besonders wichtig. Alle Autoren setzen andere Schwerpunkte, teilweise eher technisch orientiert, teilweise vor allem charakterlich. „Mehr Aliens, weniger Sex“, sollen Science-Fiction-Fans einst gefordert haben. Dieser Linie blieb Perry Rhodan lange treu: Bisher gab es in der Geschichte kaum Frauen.

Schlacht im Weltraum ("Orbital Fight" ©  Tobias Roetsch)

Schlacht im Weltraum
(“Orbital Fight” © Tobias Roetsch)

Viele Leserinnen schrecken vor dem technischen Hintergrund zurück. Zudem mussten weibliche Charaktere in den Sechzigern meist den Kaffee bringen, erzählt Autorin Michelle Stern. Später wurden sie dann regelmäßig umgebracht. Autor Frank Borsch glaubt, dass gerade die Neo-Reihe für Frauen interessanter ist: „Wir gehen stärker auf Charaktere und gesellschaftliche Konflikte ein. Das sind meiner Meinung nach Themen, die Frauen ansprechen.“

Auch neue Medien hat Perry Rhodan schon erobert: Neben Hardcover- und Heftausgaben erscheinen regelmäßig Hörspiele und Ebooks. Die Herstellung gedruckter Bücher lohne sich irgendwann nicht mehr, meint Frank Borsch. In ein paar Jahren sollen die Ebooks Standard sein und die Print-Ausgaben etwas Besonderes.

Mit Computer- und Handyspielen will der Verlag auch den Nachwuchs begeistern; sogar Musik und Comics sind schon erschienen. Auch ein Filmprojekt gab es, doch auf einen Kinofilm oder eine Serie müssen die Fans vorerst warten. Perry Rhodan bleibt ein literarisches Phänomen.

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